Die Geschichte des MTV 1846 Gießen

Unser Geschichte weist auf eine lange Tradition zurück und reicht bis in das Jahr 1842. In dieser Rubrik  erfahren Sie interessante Eckdaten unseres Vereins.

1842 | Wiederbeginn

Erst anfangs der vierziger Jahre, nach Aufhebung der Turnsperre in Preußen am 6. Juni 1842, regt sich wieder Gießener Turnwesen. Eine kleine Gesellschaft von zehn bis 12 jungen Leuten turnt im Garten der Jahreisschen Wirtschaft in der Neustadt (gegenüber von I.B. Häuser). Eine feste Verfassung besaß diese Gesellschaft nicht, jeder zahlte in der Woche 12 Kreuzer zur Anschaffung der Geräte. Während es früher vorwiegend junge Akademiker waren, die sich dem Turnen verschrieben, so finden wir jetzt meist Leute, die aus dem Stand des Handels und des Gewerbes der Stadt stammen. Verfolgung und Kerkerhaft hatten große Lücken in die Reihen der Studentenschaft gerissen und wirkten noch immer abschreckend. Da man die Universität als den Herd der revolutionären Propaganda ansah, wurde sie mit besonderen Überwachungsmaßregeln belegt, die jeden Gedanken an freiheitliche Bewegung im Keim erstickte. Die Studenten waren leichter zu überwachen und die Universitätsverwaltung hatte sie in ihrer Disziplinargewalt, eine Verweisung von der Uni war schnell ausgesprochen, das Disziplinargericht war rasch bei der Hand.

Der Turn- und Schwimmlehrer Philipp Amendt hatte im Jahr 1843 in der Scheune des Gasthauses zum Schwanen in der Walltorstraße, zunächst nur für Schüler, eine Turnanstalt eingerichtet. Hier turnten hauptsächlich Schüler der Realschule mit Erlaubnis ihres Direktors Braubach gegen eine monatliche Vergütung von 15 kr. (Die Schule war 1837 gegründet worden, heute Herderschule bzw. Liebigschule). Bald schloss sich eine kleine Gruppe Erwachsener an, die im "Schwanen" verkehrte. Auch die Turngesellschaft aus der Neustadt verlegte ihre Übungen in das Turnlokal Amends und dieser übernahm die Leitung. Damit war das Fundament für einen Turnverein geschaffen, aber noch drei Jahre blieb es bei der losen Turngesellschaft.

1846 | Der Turnverein

Als Amendt 1847 Gießen verließ, übernahm Heinrich Franz die Leitung. Franz war gelernter Kellner hatte sich jedoch bei Amend zum Turnlehrer ausgebildet. Im März des Jahres 1846 wählte die Vereinigung einen Vorstand und gründete sich als Turnverein. Am Mittwoch, dem 29. Juli 1846, veröffentlichte der Vorstand im "Anzeigenblatt für die Stadt und den Kreis Gießen" eine Bekanntmachung. Darin heißt es: "Um vielfachen Gerüchten zu begegnen, als bestehe in hiesiger Stadt noch kein Turnverein, finden wir uns veranlasst, hierdurch zu veröffentlichen, dass ein solcher schon seit März d.J. in dem ehemaligen Schneiderschen, jetzt Magnusschen Garten, dahier gegründet ist und dermalen 49 Mitglieder zählt. Es werden daher alle diejenigen, welche unserem Verein beizutreten wünschen und überhaupt alle sich für das Turnen Interessierenden hierdurch höflichst eingeladen, sich kommenden Samstag, dem 1. August d.J. des Abends 8 Uhr in dem Magnusschen Garten einzufinden, wo ihnen nähere Aufschlüsse erteilt und die vom grhzgl. Kreisrate genehmigten Statuten zur Einsicht vorgelegt werden. Gießen, den 26. Juli 1846. Der Vorstand des Turnvereins."

1880 erhält der Turnverein die Corporationsrechte. Die Urkunde von 1880 über die Verleihung enthält diesen Text:

"Darmstadt, den 3. Juni 1880 - Das Großherzogliche Ministerium des Innern und Justiz an Großherzogliches Kreisamt Gießen - Auf den Bericht vom 12. vorigen Monats benachrichtigen wir Sie, daß Seine Königliche Hoheit, der Großher- zog, mittels Allerhöchster Entschließung vom 30. vorigen Monats geruht haben, dem Turnverein zu Gießen auf Grund der vorgelegten Statuten Corporationsrechte Allergnädigst zu verleihen. Sie wollen den Vorstand des gedachten Vereins hiervon in Kenntniß setzen. Die Anlagen Ihres Berichtes folgen anbei zurück."

1855 | Der Männerturnverein

Nach einer Anlaufzeit von etwa einem Vierteljahr griff der Kreis um Schmuck und Demuth den Vorschlag auf, in Gießen einen neuen Turnverein zu gründen und ihn zur Unterscheidung "Männer-Turnverein" zu nennen. Am 18. November 1885 erfolgte in "Steins Garten" die Gründungsversammlung der ersten 15 Männerturner. Das Gründungsprotokoll ist heute noch vorhanden, wie alle Protokollbücher dieses Zweigs unseres heutigen MTV 1846. Unter dem Datum 27. Dezember 1885 versandte der neue Verein seine Geburtsanzeige "Gut Heil" Dem Bedürfnis unserer Stadt entsprechend wurde am 18. November d.J. ein zweiter Turnverein unter dem Namen "Männer-Turnverein Gießen" ins Leben gerufen. "Wir machen Euch mit dem Wunsche hiervon Anzeige, uns Eure freundliche Gesinnungen nicht versagen zu wollen. - Mit Turnergruß (Die Namen aller Vorstandsmitglieder)".

Die ersten Beziehungen nach auswärts wurden mit dem TV Wetzlar angeknüpft. Am 21. Februar 1886 feierte des MTV mit bereits 136 Mitgliedern in "Steins Garten" sein erstes Winterfest. Die von Demuth gestellten sogenannten "Marmorgruppen" (weiß bemehlte Turner, die stehende Figuren darstellen) wirkten nach einem Zeitungsbericht "vornehm und großartig". Für die notwendigen Beleuchtungseffekte stellte Physikprofessor Dr. Röntgen die Apparate. Am folgenden Sonntag, dem 28. Februar traten in Gießen die Vertreter der Gauvereine zum 48. Gauturntag zusammen. Das Protokoll liefert den urkundlichen Beweis der friedlichen Gesinnung, den die beiden Gießener Turnvereine gegeneinander anstrebten. Punkt 1 der Tagesordnung heißt wieder: Aufnahme neuer Vereine. Der Gauvertreter verliest die Anmeldung des MTV Gießen. Georgi (TV Gießen) beantragt die Aufnahme, die einstimmig erfolgt. Um so stürmischer prallten bei Punkt 3 der Tagesordnung: Proteste des TV Gießen, betreff Unregelmäßigkeiten beim Gauturnfest in Lich und die Potokollführung beim 47. Gauturntag daselbst, die Meinungen aufeinander. Der Antrag des TV Gießen: "Der Gauturntag bedauert die Missverständnisse beim Preisturnen in Lich" wird von der Versammlung nicht angenommen. Die Frage, ob der Protest des TV Gießen begründet sei, wird mit großer Mehrheit verneint.

Der Protest gegen die Protokollführung wird unter der Leitung des Kreisvertreters Reuter verhandelt, der extra dazu aus Darmstadt gekommen ist. Der Sprecher des TV Gießen, Uhl, stützt den Protest auf die Herausnahme der drei Blätter, in der er eine Unregelmäßigkeit sieht. Das Protokollbuch wird vorgelegt und die drei Blätter. Reuter stellt fest: "Es ist ja nichts vernichtet worden, die drei Blätter liegen ja im Buch". Nach ausgiebiger weiterer Debatte wird der Antrag auf Schluss angenommen. Uhl erklärt nun, ihre Verteidigung sei unmöglich und enthalte sich der TV Gießen von jetzt an alles Weiteren. Reuter fragt die Versammlung, ob es bestätigt sei, dass Demuth sich einer Fälschung schuldig gemacht habe, was die Versammlung einstimmig verneint. Die weitere Frage, ob der Inhalt des Protokolls anerkannt wird, kommt zur Abstimmung mit dem Ergebnis, dass das versandte Protokoll genehmigt ist. Die Vertreter des TV Gießen verlassen unter Drohungen den Saal. Hierauf bittet der Vertreter des MTV Gießen, gefälligst zu bestätigen, dass er sich an den Debatten und Abstimmungen betreff der Anträge gegen den TV Gießen nicht beteiligt habe. Er wolle keine Veranlassung zu Feindseligkeiten seinem nächsten Turnverein gegeben haben.

So war am gleichen Tag der TV Gießen aus dem Gau Hessen ausgezogen und der MTV Gießen in den Gau eingetreten. Trotz allem waren von diesem Tag an alle Feindseligkeiten zwischen den beiden Gießener Vereinen ausgeräumt. Der Gießener TV fuhr im Mai 1886 nach Lich und gründete mit dem dortigen TV den Lahn-Wetter-Gau, dem alsbald auch Wieseck und einige andere sogenannte "wilde" Vereine beitraten: u.a. Krofdorf, Heuchelheim, Wismar, Rodheim, Klein-Linden.

1946 | Der Turnverein von 1846

Der Bruderverein, der Turnverein von 1846 kommt selbst in seinem hundertsten Jahr nicht voran. Es fehlen die führenden Leute. Die Sportler nehmen derweil die Übungsangebote des MTV wahr. Eine fruchtbare Zusammenarbeit ist die Folge. Eine Trainings- und Wettkampfgemeinschaft wird gebildet. Gemeinsame Veranstaltungen sportlicher und auch geselliger Art werden organisiert. Ein Winterfest und ein Kostümfest, beide in der Heuchelheimer Turnhalle sowie eine Sportmatinee am 18. April 1948 im Gloria-Palast, dem damals größten Gießener Kino, unter dem Titel: "Hundert Jahre Turnen in Gießen" und das Sommerfest ebenfalls in der Heuchelheimer Turnhalle. Sie spiegeln völlige Harmonie vor. Es scheint sogar zu einem völligen Zusammengehen zu kommen. Doch ein auch formaler Zusammenschluss scheitert auf Grund engstirniger Einstellung und an personellen Animositäten unter dem Vorwand formeller Schwierigkeiten am 16. Oktober 1948 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des MTV "Follen". Dies gibt den entscheidenden Anstoß, den Turnverein 1846 selbständig wieder weiterzuführen. Die Trümmer der Turnhalle am Oswaldsgarten (derzeit befindet sich die Gießener Feuerwehr an diesem Platz) werden geräumt, die Reste des vorderen Teils werden zu einer kleinen Gaststätte, dem "Turnereck", ausgebaut, die alte Hallenfläche planiert. Es entsteht ein Sandplatz auf dem Sport im Freien betrieben werden kann. Das Gerätturnen kommt tatkräftig in Gang. Alte Mitglieder, auch gute Turner finden sich ein. Der Verein blüht in ungeahntem Ausmaß wieder auf. Der Sandplatz wird im Winter bei Kälte mit Wasser bespritzt, das gefriert, so entsteht eine Eisbahn, die auch von der Bevölkerung genutzt wird. Es entsteht sogar eine Eishockeyabteilung, die allerdings bei Tauwetter nach Bad Nauheim ins dortige Eisstadion ausweichen muss. Dieser doch kostspielige Nachteil führt später zur Einstellung der Eissportabteilung überhaupt.

1947 entsteht im MTV die Basketballabteilung unter Rupprecht Krausch wieder. Die Halle des Landgraf-Ludwig-Gymnasiums kann wieder benutzt werden. Sie ist zwar für ein regelgerechtes Basketballfeld zu klein. Zwei an den Endwänden befestigte Körbe lassen einen richtigen Trainingsbetrieb zu. Die Spiele müssen in der Halle des Heuchelheimer Turnvereins, die schon 1939 die Gaugruppenspiele zur Deutschen Basketballmeisterschaft gesehen hatte, durchgeführt werden, weil für Meisterschaftsspiele ein regelgerecht großes Spielfeld erforderlich ist. 1947 wird sogar die Hessische Meisterschaft gewonnen, der MTV gehört wie schon 1938 und 1939 zu den Besten in Hessen.

1949 | Ausbau des MTV-Platzes

Der Sportplatz wird weiter verbessert, neben der vorhandenen Gerätehütte wird eine Umkleideraum erbaut mit Anschluss an die städtische Wasserleitung. Die früheren Verhältnisse - man musste sich im Wasser des Klingelbachs waschen - waren wirklich nicht mehr zumutbar. Im MTV blüht jetzt die Leichtathletik auf, erste Hessenmeisterschaften werden errungen. Weiter werden betrieben: Turnen, (am Gerät nur von den Frauen), Handball (recht erfolgreich), Faustball und schon genannt Basketball. Am 17. Mai 1950 gründet Willi Blum eine Fußballabteilung. Schon im Oktober konnte eine zweite Fußballmannschaft aufgestellt werden, der bereits im Frühjahr 1951 eine Alt-Herren-Mannschaft folgte.

Die Hessische Meisterschaft Leichtathletik der A- und der B-Jugend wurde auf dem MTV-Platz ausgerichtet. Inzwischen wurde - im Sommer 1949 beginnend und wie in einem Turnverein üblich in Eigenhilfe - ein festes Haus mit zwei Räumen gebaut, um des angestiegenen Geselligkeitsbedürfnisses gerecht zu werden. Eine kleine Gastronomie, ebenfalls im Eigenbetrieb, genügte nur im Anfang. Ständig konnte man dort Freunde treffen. Bald musste es erweitert werden. Nach einiger Zeit hatte es sein heutiges Aussehen erreicht.

Im TV 1846 wird mehr das Geräteturnen gepflegt, das ist schon Tradition. Außerdem darf dort das Fechten, das so lange verboten war, wieder aufgenommen werden. Hier hat sich L. Gerhardt besonders verdient gemacht. Karl Reuter kann auf dem Deutschen Turnfest 1953 in Hamburg als Altersturner seinen großen Erfolg von 1928, als er in Köln Turnfestsieger wurde, wiederholen. Zusammen mit Ellen Löffert, die ebenfalls den ersten Platz errang, wurde er im Triumphzug vom Bahnhof zum Turnereck geleitet unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Die Eishockeymannschaft wurde Hessenmeister.

1954 beginnt die große Zeit der Geher im MTV: Neuhaus, Schnabel sind die Namen. Zum 1. Nationalen Jugend- und Junioren Sportfest des MTV Gießen wird die gesamte Sportanlage neu hergerichtet. Gleichzeitig wird ein Geher-Länderkampf Deutschland gegen die Schweiz ausgerichtet, der im 20 km Straßengehen quer durch die Innenstadt führt und bei der Bevölkerung Aufsehen erregt. Es würde zu weit führen hier alle Erfolge aufzuführen.

1957 | Die Fusion

Inzwischen waren im Einverständnis mit den beiden Vorständen - zunächst in ganz privaten Zirkeln - Gespräche über eine Fusion der beiden Turnvereine geführt, nachdem in beiden die Vorstandschaft gewechselt hatte. Im MTV übernahm Dr. Wilhelm Hill den Vorsitz, im TV 1846 war es Rudof Paul. Die Verhandlungen führten am 27. April 1957 zum Erfolg. Beide Mitgliederversammlungen stimmten mit großer Mehrheit zu. Damit beginnt die Geschichte des Männerturnverein 1846 C.R. Gießen (MTV 1846 Gießen) in Fortführung der alten Turnertradition beider Vereine. Vorsitzender wurde Hans Stein, geschäftsführender Vorsitzender Rupprecht Krausch, die beiden Vorsitzenden, Paul und Hill wurden zu Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Konzentration der turnerischen und sportlichen Aktivitäten trug schon sofort ihre Früchte. Viele Erfolge gaben den Befürwortern recht. Größere Teilnehmerzahlen insbesondere bei überregionalen Veranstaltungen und größere Anzahl der Mitarbeiter im Verein ergaben mehr Schubkraft, mehr Ansehen und Anziehungskraft in der Öffentlichkeit.

Fußball meldet jetzt sieben Mannschaften, die "Erste" steigt in die Bezirksklasse auf, die Leichtathleten erkämpfen neun Hessenmeisterschaften (Eberhard Vaubel springt 7,35 m weit, der Vereinsrekord hat heute noch Bestand), Helmut Baiser führt Badminton als weitere Sportart ein, ein großes Olympia-Prüfungsturnen als 4-Länderturnier wird in Gießen mit riesigem Zuschauerfolg ausgerichtet, die Basketballer steigen in die Hessenliga auf und schon 1962 in die Oberliga Südwest, die höchste Spielklasse damals überhaupt.

1958 | Die Jahn-Halle

Die Erfolge stärken natürlich das Bewusstsein, so wird bald die Frage nach dem Bau einer eigenen Turnhalle aufgeworfen und ernsthaft verfolgt. Am 30. August 1958 fasst eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Beschluss, das Grundstück "Turnereck" zu verkaufen und am Heegstrauchweg eine Turnhalle zu bauen. Dazu soll die angrenzende Wiese gekauft werden. Das ist Mitte 1959 geglückt, die Planungen werden ernsthaft betrieben. Die Mitgliederversammlung ermächtigt am 21. Januar 1961 den Vorstand, die Fremdmittel aufzunehmen, die neben den Eigenmittel von etwa 100.000 Mark für den Bau notwendig sind. Eine Kostenschätzung vom 20. Juli 1961 nennt den Betrag von 507.000 Mark. Am 26. Februar 1962 erfolgt der erste Spatenstich und fast genau ein Jahr später wird die Halle eingeweiht. Die Entpflichtung und Entlastung des Bauausschusses kann am 23. März 1963 erfolgen. Etwa 560.000 Mark hat der Bau schließlich gekostet. Die neue Halle gibt neue Bewegungsfreiheit in der Gestaltung des Vereins, neue Gruppen wie "Er + Sie" und Gymnastik für Hausfrauen können eingerichtet, das Kinderturnen erheblich ausgeweitet werden. Weil ja zusätzliche Übungszeiten zur Verfügung stehen, wirkt sich das auch auf andere Abteilungen aus. Die Handballjugend unter Eberhard Ruland erringt die Südwestdeutsche Meisterschaft, im handballstarken Hessen wohl ein besonderer Erfolg.

1964 | Erfolge

1964 bringt dem Verein eine weitere Sportart: zunächst Schwerathletik genannt. 30 Jahre unter der Leitung von Heinz Althaus werden Ringen, Gewichtheben und Rasenkraftsport betrieben. Allerdings mangelt es im Laufe der Zeit an Ringern und auch später an Hebern, so dass die Abteilung heute nur noch Rasenkraftsport führt, aber das mit allergrößtem Erfolg.

Deutsche Basketballmeisterschaften 1965, 1967, 1968, die A-Jugend macht das ab 1966 fünfmal hintereinander! Die Faustballerinnen erringen ebenfalls ihre erste Deutsche Meisterschaft. Der Verein beweist seine Anziehungskraft für Einzelmitglieder und für weitere Sportarten. 1969 wird Waldemar Hesemann zum Vorsitzenden gewählt. Ein zweiter Sportplatz, auf städtischem Gelände unmittelbar anschließend an unseren Platz, kann als Grasplatz hergerichtet und in Betrieb genommen werden. Auch er bringt speziell für die Ballspieler (Fußballer und Faustballer) große Erleichterungen. Die Handballer spielen mittlerweile nur in der Halle oder auf dem Kleinfeld. Gustav Mank folgt 1971 im Amt des Vorsitzenden. Unter seiner Führung wird das 125-jährige Jubiläum gefeiert. Zwei Jahre später führt die Flutlichtanlage am eigenen Platz zu erheblichen Verbesserungen beim Training im Freien, besonders in der Winterzeit. In seiner Amtszeit und unter seinem maßgebenden Einfluss entsteht eine neue konsolidierende Satzung, die heute noch, nur unwesentlich verändert, in Geltung ist. Sie ist vielen befreundeten Vereinen zum Vorbild geworden.

1975 | Der Verein Ende des 20. Jahrhunderts

In dieser Zeit entsteht eine Tanzabteilung, die zwar keinen Turniertanz pflegt sondern im Höchstfall das Tanzsportabzeichen anstrebt. Hier wird jetzt eine neue Tendenz sichtbar, der Verein muss die ganze Breite vom Leistungssport über Wettkampfsport und Breitensport zum Fitness-Sport und Gesundheitssport ausfüllen, wenn er von breiten Bevölkerungsteilen angenommen werden soll. Im Januar 1975 wird Walter Isheim zum Vorsitzenden gewählt, der im gleichen Sinn den Verein weiterführt. So wird im Jahr 1976 in Zusammenarbeit mit dem Sportmedizinischen Institut der Universität (Prof. Dr. Paul E. Nowacki) eine Rehabilitationsgruppe für Herzgeschädigte gegründet. Sie ist eine der ersten in Hessen und hat ständig neuen Zulauf. Ebenfalls im Jahr 1976 wird ein Anbau an der Rückseite der Halle als Geräteraum errichtet. Er schafft an der Seite Platz für einen provisorischen Arztraum, der für die Rehabilitationsgruppe unerlässlich ist. Damit hat aber das Bauen noch kein Ende. Der Hausmeister sollte im Gebäude wohnen wie auch der Betreiber der Gastronomie. Die dafür vorgesehenen Räume im Untergeschoss sind inzwischen nicht mehr zumutbar, sie sind zu klein und auch schlecht gelegen. Die eigentlich für die Familie des Haus- und Platzwarts vorgesehene Wohnung ist schon einige Zeit Geschäftszimmer bzw. Werkraum, weil für seine Familie zu klein. Deshalb werden über dem Lokal durch Aufstocken des vorderen Gebäudeteils zwei größere Wohnungen für den Haus- und Platzwart und für den Gastronomen errichtet.

Inzwischen entstehen weitere Gruppen im Verein. 1985 schließt sich eine Lauftreff-Gruppe dem MTV 1846 an, die mit ihrem Jahr für Jahr durchgeführten Adventslauf inzwischen in ganz Mittelhessen bekannt ist. Die Fußball-Jugend ist durch Bildung von Spielgemeinschaften und Abwanderungen völlig zusammen gebrochen. Nicht eine einzige Jugendmannschaft spielt Fußball. Da unternimmt es Ralph Rohn ganz allein, wieder mit Schülern Fußball zu trainieren, und hat bald überragenden Erfolg. Er findet Mitarbeiter, die helfen beim Training bei der Betreuung. Er nimmt mit den Eltern Kontakt auf, von denen ebenfalls Hilfe kommt. Von Jahr zu Jahr wächst die Fußball-Jugend in eine weitere Klasse, so dass wieder sechs Jugendmannschaften im MTV 1846 Fußball spielen. Ein lang gehegter Wunsch für alle im Freien übenden Sportler kann 1989 in Erfüllung gehen. Im westlichen Kurvenbogen der Laufbahn wird ein Allwetter-Kleinspielfeld geschaffen, das mit seiner Kunststoffoberfläche selbst nach dem stärksten Regen in Minutenschnelle wieder trocken und bespielbar ist. In einer kleinen Feierstunde kann es den Sportlern im Oktober zur Nutzung übergeben werden. Es ist in der Folge selbst im Winter der am stärksten genutzte Platzteil. Sogar die Leichtathleten schätzen die besondere Bodenbeschaffenheit als Anlauf für den Hochsprung, zwei Paar Basketballständer laden zum Spiel ein ebenso die Handballtore.

Im Spätsommer 1990 nimmt der MTV 1846 die Sportart - Aikido - auf, die sich in den fünf Jahren ihres Bestehens glänzend zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelt hat. Nebenbei bemerkt werden im Rahmen der Gymnastikabteilung dauernd neue Angebote gemacht, soweit sich in die knappen Hallenzeiten noch etwas hineinpressen lässt, so etwa Bauchtanz oder Rückengymnastik oder Krebsnachsorge. Immer wieder werden spezielle Weiterbildungen für Übungsleiter angenommen, um neue Angebote anbieten zu können. So hat die Gymnastikabteilung inzwischen ein breit gefächertes Betätigungsfeld erreicht, das 32 Gruppen mit 20 Übungsleiterinnen umfasst. Ähnlich breit ist das Feld der Turnabteilung mit 21 Gruppen vom Kleinstkind mit seiner Mutter über alle Altersstufen hinweg bis zu den Altersturnern. Zu unseren "großen" Abteilungen zählen natürlich die Basketballer mit 21 Mannschaften und es wären noch mehr, hätten wir mehr Hallen zur Verfügung. Auch die Fußballer sind mit ihren elf Mannschaften, davon sieben für Jugendliche, außerordentlich gewachsen. Elf verschiedene Nationen sind dabei vertreten, Integration in seiner besten und wirksamsten Ausprägung.

Nicht alle der zwölf Abteilungen können in diesem Rahmen hier erwähnt werden. So zeigt sich der MTV 1846 Gießen in seinem 150. Jahr ungebrochen jung, entwicklungsfreudig der Zukunft aufgeschlossen. Eine große Schar von Mitarbeitern und Übungsleitern sorgt dafür, dass in jeder Woche mehr als 100 verschiedene Übungsveranstaltungen durchgeführt werden können, dabei ist der umfangreiche Wettkampfverkehr noch gar nicht mitgezählt und die Gruppen, die in der Woche mehrfach trainieren müssen, nur einfach gerechnet. Das spielt sich natürlich längst nicht alles in der eigenen Halle ab, die hat höchstens 50 Stunden in der Woche Zeit für den eigenen Verein. Der Großteil unserer Aktivitäten läuft in den Schulturnhallen der Stadt Gießen ab. Dafür sagen wir der Stadtverwaltung an dieser Stelle unseren herzlichen Dank. Auch die Öffentlichkeit darf wissen, wem wir vielfältige Möglichkeiten verdanken, den Zweck des Vereins in die Tat umzusetzen, nämlich der Bevölkerung Leibesübungen in freudvoller selbstgewählter Umgebung zur Auswahl anzubieten. Vom Leistungssport über Wettkampfsport, Freizeitsport und Gesundheitssport bis zum Fitness-Angebot für Klein- und Kleinstkinder, für Jugendliche, für Junggebliebene und natürlich auch für die Senioren reicht unsere Auswahl und das in einem Verein, in dem jeder Freunde finden und sich wohl fühlen kann. Sport ist im Verein am Schönsten, das gilt auch für uns!

2000 | Der Verein zu Beginn des des 21. Jahrhunderts

In einer Mitgliederversammlung am 06.10.2006 wurde der Grundstein für eines der größten Projekte des MTV 1846 Gießen gelegt: Die Sanierung der vorhandenen Außensportanlage. Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheides am 11.06.2007 konnte dann mit den umfangreichen Arbeiten begonnen werden. Fast ein Jahr später, am 30.05. 2008, wurde dann die Sportanlage mit einer feierlichen Eröffnung und dem anschließenden „Tag der offenen Tür“ eingeweiht. Es ist eine wunderschöne Sportanlage mit Kunstrasenplatz, Kunststofflaufbahn und weiteren leichtathletischen Anlagen entstanden. Außerdem wurde das „alte Vereinsheim“ renoviert und der Eingangsbereich neu gestaltet.

Bei einem Gesamtvolumen der Investition in Höhe von ca. 1.000.000 EUR musste der Verein, neben umfangreichen Eigenleistungen durch Mitglieder, trotzdem noch ca. 400.000 EUR an Eigenmitteln und Darlehen aufbringen. Einige notwendige Arbeiten (Uferbefestigung Klingelbach, Kampfmittelsondierung, Gestaltung Eingangsbereich) haben die Sanierung des Sportgeländes etwas teurer werden lassen, als zunächst in der Kostenschätzung geplant war.

Weitere Sportarten werden im Verein integriert. American Football als Golden Dragons  wird gemeinsam mit den Cheerleadern, den Torndao Cheer,  zu einer der größten Abteilungen im MTV 1846 Gießen, die auch einige Erfolge verbüchen können. So steigen die Jugendfootballer 2010 in die German Football League Juniors auf und die Senioren machen es ihnen 2011 nach, mit dem Aufstieg in die Regionalliga. Die Cheerleader richten bislang ingesamt 3x Hessische Meisterschaften aus. 2010 kamen ca. 1000 Zuschauer in die Osthalle und konnten mehrere Hessische Meistertitel der Gießener bejubeln.

Yoga, Capoeira, Frisbee und Bridge werden ebenfalls als Sportarten in den Verein aufgenommen. Insbesondere beim Capoeira und Frisbee erhofft man sich regen Zulauf  von Studierenden der Universität.

nächstes Event

05
Mai
Mitgliederversammlung des MTV 1846 Gießen

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